Ein Vormittag, der alles für mich verändert hat
Manche Veränderungen kommen laut.
Und manche Veränderungen schleichen sich klammheimlich auf leisen Pfoten in dein Herz.
Und wenn du es zulässt – dann spürst du, wie sich etwas in dir neu sortiert.
Genau so ging es mir bei meinem Besuch in einem kleinen rumänischen Tierheim im Juni 2025.



Mein erster Besuch in einem rumänischen Tierheim
Ich war nicht zum ersten Mal in einem Tierheim. Als meine Seelenhündin Zoe gestorben war, habe ich im Ruhrgebiet mehrere besucht – auf der Suche nach einem neuen vierbeinigen Freund. Vergeblich, übrigens. Ich wollte gern einem Hund, den keiner mehr will, ein neues Zuhause geben.
Das hat auf diesem Wege aus den verschiedensten Gründen nicht geklappt, aber kurze Zeit später haben der kleine Spanier Pepe und ich uns gefunden. Dazu aber ein anderes Mal mehr.
Ich war allerdings zum ersten Mal in einem Tierheim in Rumänien.
Und man hört ja viele schlimme Sachen – die in diesem Fall alle nicht zutreffen.
Ich lade dich ein, komm mit mir ins Tierheim – es wird ein schöner Besuch sein – versprochen. Dein Herz wird aufgehen, so wie meines auch.


So ist es wirklich im Tierheim in Rumänien
Ich teile hier meine eigenen Erfahrungen in genau dem Tierheim, in dem ich war. Und das ist das Tierheim vom Standpunkt e.V. in Anina.
Ich habe Bettina und ihren Mann Klaus durch „Zufall“ (ich glaube nicht an Zufälle ;-)) kennen gelernt und habe erfahren, dass sie das Tierheim leitet. Meine Neugier war direkt geweckt.
Bevor wir schließlich hingefahren sind, wusste ich bereits, dass es ungefähr 70 Hunde im Tierheim gibt. Das ist also ein eher kleines Tierheim, denn es gibt hier auch welche mit 500 und mehr Hunden.
In diesem Tierheim wird sich auf alle Fälle richtig gut um die Hunde gekümmert und das hat mein Herzchen sehr erfreut.
Sie leben in kleinen Gruppen von meistens drei bis vier Hunden (und nicht einzeln in kleinen Zwingern), die gut zusammen zurecht kommen. Das Areal ist großzügig angelegt für die Hunde und alle Gruppen haben immer Zugang nach draußen. Die Hundegruppen, die kein Innengehege haben, haben Hundehütten und auch häufig noch zusätzliche Schattenspender auf der Anlage. Das ist insgesamt einfach richtig schön gemacht und alles super sauber gehalten.
Die Hunde bellen übrigens nicht ständig, wie man es oft so hört und sieht. Als ich das erste Mal mit Bettina durch gegangen bin, haben viele gebellt und sich einfach gefreut, aber haben sich auch schnell wieder beruhigt und aufgehört zu bellen. Beim zweiten Mal gab es nur noch Freude und kein Bellen mehr.
Alle Mitarbeiter haben übrigens einen persönlichen Bezug zu den einzelnen Hunden, was ich total schön finde und das merkt man auch. Die Hunde fühlen sich wohl mit den Menschen, die sich um sie kümmern.
Die Mitarbeiter gehen außerdem mit ihnen regelmäßig spazieren, was sonst wohl nicht so üblich ist. Richtig toll.
Und, was meinen Werten und meiner Einstellung ebenfalls sehr entspricht: Hier wird nicht mit Mitleid geworben und gearbeitet. So á la „Schau mal, wie schlecht es den Hunden hier geht, also rette sie bitte.“ und total auf die Tränendrüse zu drücken.
Das ist in meiner Welt auch keine Art, die passenden Meschen für die Hunde zu finden. Was dabei häufig passiert, ist nämlich das: Menschen adoptieren einen Hund aus dem Ausland, weil er ihnen ja sooo leid tut und man ihn doch unbedingt retten muss. Was dabei wiederum häufig auf der Strecke bleibt: Passt genau dieser Hund denn überhaupt in mein/unser Leben und kann ich ihm ein für ihn passendes Leben ermöglichen? Oder tut er mir einfach nur leid. Mitleid ist kein guter Grund, um einen Hund zu adoptieren.
Wenn ich einem Tierschutzhund ein gutes, neues und vor allem passendes Zuhause geben möchte, bedarf es einfach viel mehr.
Insofern Chapeau an Bettina und das Team von Standpunkt e.V., das ihr das anders macht, obwohl es so viele Tierschutzorganisationen gibt, die genau so arbeiten. Danke.
Es gibt hier im Tierheim übrigens ganz verschiedene Hundetypen (auch ganz kleine, nicht auf den Bildern zu sehen), sowohl optisch, als auch charakterlich.
Nicht alle rumänischen Straßenhunde bzw. Tierheimhunde sind zwangsläufig Herdenschutzhunde oder -mischlinge.
Und nicht alle ehemaligen Straßenhunde (oder auch Abgabehunde) sind Angsthunde und haben einen Haufen an Traumata.



Regelmäßige Kastrationsaktionen
Zwei Mal im Jahr veranstaltet der Standpunkt e.V. Kastrationsaktionen, wo Einheimische mit ihren Hunden und Katzen kommen können und ihr Tier kastrieren lassen können.
Man muss dazu wissen, dass die rumänischen Haustiere (also in dem Fall Hunde und Katzen) auf dem Dorf oft ebenfalls ganz oder eine Zeit lang am Tag frei herumlaufen. Insofern ist es super wichtig, dass auch sie kastriert werden, damit sie nicht zur Vermehrung der Straßenhunde (oder auch untereinander) beitragen.
Leider ist der Irrglaube noch ziemlich verbreitet, dass Hunde „lieber“ werden und nicht mehr so gut aufpassen und bewachen, wenn sie kastriert sind. Aus diesem Grund streuben sich einige Rumänen gegen eine Kastration, aber Bettina und ihr Team leisten da immer wieder und dauerhaft tolle Aufklärungsarbeit.
Diese Kastrationsaktionen und natürlich auch das Tierheim selber sind Spenden finanziert. Wenn du einen kleinen Beitrag leisten möchtest, dann folge Standpunkt Romania e.V. total gern auf Facebook (leider gibt es keine Internetpräsenz). Sie arbeiten eng mit der Hundehilfe ohne Grenzen e.V. zusammen und viele Hunde werden auch über sie vermittelt, also folge auch gern ihnen, wenn dich das Thema interessiert.
Wenn du etwas spenden möchtest, nutze gern dieses Spendenkonto: Hundehilfe ohne Grenzen e.V., DE05 4786 0125 1041 3001 00, VZ : Kastrationsaktion oder nutze diesen Direktlink zu ihrem Paypal: https://www.paypal.com/pool/9fDW5k5WUU?sr=accr
Eine Kastration kostet übrigens 25 Euro. Ich würde mich riesig freuen, wenn sie unterstützt werden, weil sie wirklich großartige Arbeit leisten.
Und übrigens: Wie man so schön sagt „Auch Kleinvieh macht Mist.“ – mit anderen Worten jeder Euro hilft, also egal, ob du 5,10 oder wie viel Euro auch immer spendest – es hilft. Danke dafür.
Hinterlass gern einen Kommentar unter diesem Beitrag oder schick mir eine Nachricht, wenn du gespendet hast (egal, wie viel) und du bekommst ein kleines Geschenk von mir.



Kastrationen bei Straßenhunden
Des weiteren werden natürlich auch Straßenhunde immer wieder aufgesammelt und kastriert.
Einige von ihnen werden im Tierheim behalten und einige aber auch in ihrem vertrauten Gebiet wieder in die Freiheit entlassen.
Warum formuliere ich das genau so? Wieder in die Freiheit entlassen.
Es ist nicht für jeden Straßenhund das Richtige, „gerettet“ zu werden und in ein Leben (in einem fremden Land) gesteckt zu werden, das überhaupt nichts mit dem Leben hier in Rumänien zu tun hat.
Nein, nicht jeder Hund wünscht sich ein Zuhause und einen Platz auf dem Sofa. Nicht jeder Hund ist dafür gemacht und wird damit glücklich. Das ist lediglich unser menschliches Denken, das uns das einzureden versucht.
Für einige Hunde ist die viel bessere Variante, sie einfach auf der Straße zu lassen (am besten eben, nachdem sie kastriert worden sind).
Denn: Eines der größten und fatalsten Missverständnisse zum Thema Hunde in Rumänien (und das gilt für viele andere Länder auch) ist, dass es allen Straßenhunden super schlecht geht und eben alle gerettet werden müssen. Das stimmt so einfach nicht.
Es gibt viele Straßenhunde, denen es sehr gut geht – was man auch deutlich sieht. Sie sind gut genährt, das Fell sieht gut aus, sie zeigen keine Anzeichen von Krankheit und sehen insgesamt einfach wohl aus. Und sind gut gelaunt.
Diese Hunde haben häufig Bezugspersonen, die sich um sie kümmern und sie füttern. Und leben gleichzeitig ihr Leben in Freiheit.
Nur um das klar zu stellen: Ich sage nicht, dass es keine Hunde auf der Straße gibt, denen es schlecht geht, die krank sind, unterernährt und einfach Hilfe brauchen. Die gibt es. Mir sind auch schon solche Hunde begegnet. Und diesen Hunden sollte geholfen werden – und sei es erstmal nur mit einer großen Portion Futter.
Und gleichzeitig deckt sich meine persönliche Erfahrung mit der von anderen Menschen, die sehr in das Thema Straßenhunde und ehemalige Straßenhunde involviert sind. Es gibt sehr viele Straßenhunde, die ein gutes Leben auf der Straße leben. Und ich lade alle Menschen dazu ein, sich genau für diesen Gedanken, diese Möglichkeit, neu zu öffnen.
Es gilt einfach, zu differenzieren und bei jedem einzelnen Hund genau hinzusehen, was wirklich in seinem Interesse ist.



Augenblicke, die bleiben
Dieser Besuch hat mich auf alle Fälle zutiefst bewegt und wird für immer in mir nachhallen. Auch wenn ich mir sicher bin, dass es nicht der letzte Besuch in einem Tierheim in Rumänien sein wird.
Ich kann es nicht ganz erklären, aber… etwas in mir hat sich verschoben.
Vielleicht war es dieses eine stille Sein mit einem der Hunde.
Vielleicht war es dieses eine Schnüffeln an meiner Hand von einem Hund, der sonst nicht zu fremden Menschen an den Zaun geht.
Vielleicht war es dieses eine Kuscheln, in das sich die Hündin so sehr rein gelehnt hat.
Vielleicht war es dieser eine Blick von einem der Hunde, der mich mitten ins Herz getroffen hat.
Vielleicht war es auch der eine Hund, der mich so sehr an Baba erinnert hat.
Oder das Gefühl, dass mein Wirken genau hier besonders gebraucht wird.
Vielleicht auch alles zusammen.



Der Ruf meines Herzens
Ich spüre, dass mein Herz sich gerade neu ausrichtet.
Und ich folge dem.
Vielleicht kannst du es zwischen den Zeilen fühlen.
Vielleicht hast du dich selbst schon einmal so gefühlt.
Und das ist erst der Anfang
Ich nehme dich mit – Stück für Stück.
Und im letzten Blogartikel habe ich das Geheimnis bereits gelüftet: Mein Wirken soll verstärkt den Hunden aus dem Tierschutz gewidmet sein, denn Tierschutzhunde sind mein tiefstes Warum.
Es geht um die Hunde, die mein Herz verändert haben – nicht nur die rumänischen.
Und darüber, wie mein Weg jetzt weitergeht.
Von Herzen, deine Anna
PS: Wenn du darüber nachdenkst, einen Hund aus Rumänien zu adoptieren, dann schau gern bei Standpunkt Romania e.V. und/oder Hundehilfe ohne Grenzen e.V. auf Facebook vorbei. Sie haben ganz entzückende und sehr unterschiedliche Hunde, vielleicht ist ja dein neuer vierbeiniger Gefährte mit dabei. Ich habe hier nur eine kleine Auswahl an Bildern eingestellt, also, wenn du einem rumänischen Hund ein Zuhause schenken möchtest, dann schau unbedingt mal bei ihnen vorbei.
PPS: Wenn du einen Hund aus dem Tierschutz hast, dann meld dich sehr gern bei mir (schreib mir einfach eine Mail an anna@anna-nagel.com) und du bekommst ein Geschenk von mir, das euch den Start in euer neues gemeinsames Leben deutlich vereinfachen wird.
Schreib mir auch total gern, wenn du schon länger einen Tierschutzhund an deiner Seite hast, aber ihr noch nicht das entspannte, harmonische und verbundene Zusammenleben habt, das du dir wünschst.
Ich freu mich auf euch.
