Ein rumänischer Straßenhund: mein Freund Baba (Teil 1)
Ein rumänischer Straßenhund: mein Freund Baba (Teil 1)

Ein rumänischer Straßenhund: mein Freund Baba (Teil 1)

Als wir letztes Jahr gerade mal vier Tage in Rumänien waren, habe ich einen Straßenhund getroffen, der mein Herz auf eine ganz besondere Art berührt hat und seitdem einen festen Platz tief in meinem Herzen hat.
Ich möchte gern seine Geschichte teilen.

Unser Kennenlernen

Letzes Jahr – ich war wie gesagt gerade mal vier Tage in Rumänien – habe ich in einer Camping App einen schönen Übernachtungsplatz an einem Kloster entdeckt und das klang für mich irgendwie gut. Da wollte ich hin und also sind wir dahin gefahren.

So schön ist es hier.

Das eigentliche Klostergelände war über eine kleine Brücke zugänglich, aber davor gab es einen großen, recht ebenen Schotterparkplatz und da habe ich geparkt. Ich bin direkt mit den Hundis ein Stück spazieren gegangen und zwar den Feldweg entlang in Richtung Straße (s.o.), von der wir gekommen sind. Das Wetter war nicht so angenehm – bewölkt und eher regnerisch, aber ich fand es ganz zauberhaft hier. Es hatte sich auf alle Fälle schon jetzt gelohnt, hierher zu kommen.
Die alte, kleine Holzkirche und das Kloster sahen auch total schön aus und ich hatte vor, am nächsten Morgen hinzugehen und die Kirche zu besichtigen. Wow, so ein toller Ort hier. Ich war echt begeistert.
Als wir zurück vom Spaziergang kamen, bot sich uns folgendes Bild:

Wir haben Besuch am Sprinti.

Ein Straßenhund – offensichtlich. Der erste, der mir in Rumänien begegnet. (Im Dorf, wo wir vorher auf einem kleinen privaten Camping waren, waren auch welche, aber zu denen hatten wir keinen Kontakt, da wir nur auf dem Grundstück waren.) Man hört ja so viel über die vielen Straßenhunde in Rumänien und nun bin ich hier und kann mir einen eigenen Eindruck verschaffen. Ich werde diesen Augenblick nie vergessen, denn schon jetzt hatte dieser strupselige Kerl mein Herz berührt. Er war ganz ruhig und freundlich und ich bat ihn höflich und respektvoll, ob er für uns Platz machen könnte, damit wir zum Sprinti zurück gehen können. Das hat er auch gemacht und war so süß. Meine drei waren auch recht entspannt, denn das war ja nun wirklich unsere erste Erfahrung mit Straßenhunden.
Wir sind also in den Sprinti eingestiegen und ich habe mich dann auf den Beifahrersitz gesetzt und ihm etwas zu essen aus dem Fenster hingeworfen, was er auch gut fand und gern genommen hat. Mir ist aufgefallen, dass er insgesamt gut aussieht – etwas strupselig, aber das ist seiner natürlichen Fellbeschaffenheit geschuldet, aber gesund und gut genährt. Das hat mich gefreut.
Wir haben dann einen ruhigen Abend verbracht und sind auch noch mal Pipi machen gegangen, wobei er wieder ganz höflich auf mein Bitten hin Platz gemacht hat für uns. Er ist aber am Sprinti liegen geblieben und hat auch bei uns übernachtet. Da es wieder angefangen hat, zu regnen, ist er unter den Sprinti gegangen – schlauer Junge. 🙂

So niedlich hat er neben dem Van geschlafen.

Ich bin mir sicher, ich will ihn retten

Als wir unsere Morgenrunde gemacht haben, hat sich herausgestellt, dass auf dem Klostergelände (also über die Brücke rüber) eine ganze Gruppe von Hunden lebt. Das hatte ich am vorigen Tag nicht gesehen. Das Zusammentreffen war nicht ganz so glücklich – meiner eigenen Unachtsamkeit geschuldet, aber soweit ist alles gut gegangen.
Baba war natürlich auch noch da und hatte sich inzwischen ordentlich in mein Herz geschlichen. Ich war verliebt, aber sowas von. Ich wollte ihn mitnehmen.
So einfach ging das aber nicht, denn er wollte nicht. Und meine drei waren auch nicht unbedingt dafür (insbesondere Pepe und Lola nicht). Ich habe Rotz und Wasser geheult, weil dieser Hund mich einfach so tief in mir drinnen berührt.
Nach einem Telefonat mit einer sehr guten Freundin aus Deutschland und einem kurzen Gespräch mit Ariana von Lotus Mellow (wo wir vorher waren), die mir versichert hat, dass sich die Mönche vom Kloster um die Hunde kümmern und auch die Leute, die kommen, um die Kirche zu besichtigen (die Rumänen sind ein sehr gläubiges Volk und es kamen tatsächlich recht häufig Besucher vorbei). Der Mönch, der in der Kirche war, hat mir das dann auch noch bestätigt, was mich ein bisschen beruhigt hat. Nichtsdestotrotz habe ich mir so gewünscht, dass Baba Teil unserer Familie wird und es so richtig gut bei uns hat.
Aber wie gesagt: Das war mein Wunsch. Nicht seiner. Er wollte nicht gerettet werden und will es übrigens auch immer noch nicht. Denn: Es geht ihm gut da. Er lebt schon lange dort (Baba ist schon ein älterer Herr) und legt großen Wert darauf, dass das auch so bleibt.
Unser Lebensstil ist absolut keine Option für ihn. Er würde sich eingesperrt fühlen. Er wäre nicht mehr frei. Und da einer meiner drei wichtigsten Werte Freiheit ist, kann ich das so, so gut nachempfinden (wir beide haben natürlich eine ganz unterschiedliche Definition von Freiheit und gleichzeitig verbinden wir in gewisser Weise dieselben Dinge mit diesem Begriff und vor allem mit dem Gefühl, welches dahinter steht).
Also: So who am I… wenn Baba da bleiben möchte, dann bleibt er da natürlich. Und wenn meine Hunde dagegen sind, ihn zu „adoptieren“, dann tun wir das natürlich auch nicht. Simple as that. Ich „rette“ ja keinen, der gar nicht gerettet werden will. Das wäre nämlich nichts anderes als egoistisch (weil ich mir das wünsche) und absolut respektlos allen anderen Beteiligten gegenüber. Tierkommunikation hat für mich aber ganz viel mit gegenseitigem Respekt auf Augenhöhe zu tun…

Ich habe eine Kerze für Baba angezündet.

Sein Name: Baba

Im Laufe des Tages habe ich mich mit dem Gedanken nicht nur abgefunden, sondern angefreundet, dass wir diesen Ort ohne ihn verlassen werden. Angefreundet, denn wir sind Freunde, das ist sicher und zwischen uns ist eine tiefe Verbindung, das ist auch sicher. Angefreundet, da ich mich nicht über seinen Wunsch hinwegsetzen werde.
Unter Tränen bin ich gefahren und es wurde einmal mehr deutlich, dass er nicht mit möchte:

Danach ist er zwar noch mal in Richtung Sprinti gekommen, um Tschüss zu sagen, aber eben nur um Tschüss zu sagen. Wir sehen uns wieder…
Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich seinen Namen übrigens noch nicht. Ich habe ihm diesen Namen also nicht gegeben, sondern er hat mir gesagt, dass er so heißt. Und zwar auf eine ganz zauberhafte Art: Wir sind entlang der Donau weiter gefahren und dort münden ganz, ganz viele kleine Bäche in die große Donau. Er meinte dann irgendwann „Ich heiße so, wie der nächste Bach.“ Okay… ich war total überrascht, denn die bisherigen Bäche hatten zum Teil echt abgefahrene Namen, die für meine Begriffe überhaupt nicht als Name für einen Hund geeignet wären.
Ich war also echt gespannt, wie denn wohl der nächste Bach heißen würde: Baba. Verrückt. Der erste Name, der so simpel und „Hunde-geeignet“ war. Ich also im Geist: „Du heißt also Baba?“ Er hat nur geschmunzelt… So niedlich.
Danke, dass wir uns begegnet sind und ich deine Freundin sein darf. Es erfüllt mich tiefer Demut, dass ich von dir so viel lernen darf. Always in my heart.

Hast du schon mal Kontakt mit einem Straßenhund gehabt? Wenn ja, wie war das für dich?

4 Kommentare

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